• Die Entzündungsherde bei MS können sich auf kognitiven Fähigkeiten auswirken – auf das Denkvermögen, die Aufmerksamkeit, die Lernfähigkeit und das Erinnerungsvermögen.
  • Als „kognitive Reserve“ bezeichnet man die Fähigkeit des Gehirns, Funktionsausfälle zu kompensieren.
  • Gehirntraining kann dazu beitragen, die kognitive Reserve zu verbessern.

Die MS-bedingten Entzündungsherde im Zentralnervensystem (ZNS) können eine ganze Reihe von Symptomen auslösen. In manchen Fällen können sich die Entzündungsherde auch auf die kognitiven Fähigkeiten auswirken – auf das Denkvermögen, die Aufmerksamkeit, die Lernfähigkeit oder das Erinnerungsvermögen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man Probleme beim Multitasking hat, vergesslich ist oder leicht den Faden verliert.
Als „kognitive Reserve“ bezeichnet man die Widerstandsfähigkeit des Gehirns und sein Vermögen, derartige Funktionsausfälle zu kompensieren. Es gibt verschiedene Strategien, mit denen man versuchen kann, die kognitive Reserve zu verbessern. Das medizinische Fachteam kann dabei unterstützen, diese Strategien in einen MS-Behandlungsplan zu integrieren.

Eine mögliche Strategie zur Verbesserung der kognitiven Reserve ist Gehirntraining.

In den letzten Jahren konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden, dass Gehirntraining diverse Aspekte des Lernens und der Gedächtnisleistung verbessert.

So hat zum Beispiel schon eine Studie aus dem Jahr 2010 gezeigt, dass kognitives Training – dreimal wöchentlich durchgeführt über einen Zeitraum von 12 Wochen – zu einer signifikanten Verbesserung der Gedächtnisleistung führt, insbesondere der Fähigkeit sich an sprachliche und bildliche Informationen zu erinnern. In der gleichen Studie wurde gezeigt, dass kognitives Training die Konzentrationsfähigkeit verbessern kann. Eine aktuellere Studie belegte, dass nach einem zwölfwöchigen, einmal wöchentlich durchgeführten Training, signifikante Verbesserungen beim Sprachgedächtnis, beim Arbeitsgedächtnis und bei der Wortfindung erzielt werden konnten.

Ein Gedächtnistraining kann die folgenden Aufgaben umfassen:

  • Merken von Wörtern, Zahlen oder Bildern
  • Auffinden von Paaren bei einer Reihe von Symbolen
  • Auffinden von Unterschieden zwischen zwei Bildern
  • Hörübungen
  • Verfolgen von Objekten mit den Augen

Ein wichtiges Merkmal der Studien war die Tatsache, dass die analysierten Trainingsprogramme computerbasiert waren. Derartige Programme können also auch zuhause absolviert werden. Das wäre eine gute Alternative gegenüber den zeitraubenden traditionellen Gehirntrainings, die oftmals Arztbesuche umfassen.

Neben den computerbasierten Trainingsprogrammen gibt es aber noch viele andere Möglichkeiten, wie du Gehirnjogging in deinen Alltag integrieren kannst. Zum Beispiel kannst du dir vornehmen, ein Instrument zu lernen oder eine neue Sprache. Du kannst auch Kurse besuchen, ein gutes Buch lesen oder geistig anspruchsvolle Spiele spielen.

Denke bitte immer daran, deine Ärztin oder deinen Arzt zu informieren, wenn du irgendwelche Veränderungen bei deinen Symptomen bemerkst oder wenn du Fragen zum Gehirntraining hast.

Mary Gasparrini